Durchs Redn kemma d’Leit zamm – und Aufträge entstehen

Durchs Redn kemma dLeit zamm und Auftraege entstehen
Bild: KI-generiert

Heute ist Gillamoos-Montag. Ganz Abensberg steht in den Zelten, oben am Rednerpult wird geredet, unten wird zugeprostet, und am Ende vom Tag hat jeder mit jedem irgendwas ausgemacht. Bei uns heißt das ja so schön: Durchs Redn kemma d’Leit zamm. Und da ist auch was dran. Ein Wort ist ein Wort, ein Handschlag hat Hand und Fuß, und wer vorher sauber miteinander redet, muss hinterher nicht streiten.

Nur: Das Reden ist der Anfang. Nicht das Ergebnis.

Reden ist der Anfang, nicht das Ergebnis

Versteh mich nicht falsch. Ich bin der Letzte, der das Gespräch kleinredet. Bevor wir bei uns auch nur eine Zeile schreiben oder einen Entwurf bauen, reden wir ausführlich, detailliert und ehrlich darüber, worum es überhaupt geht. Was soll rauskommen. Was kostet es. Was geht nicht. Wer macht was bis wann. Das ist der wichtigste Termin im ganzen Projekt, und den kürzt man nicht ab.

Aber danach muss halt einer ins Tun kommen. Und genau da reißt es heute viele auseinander. Da sitzen die Leute im Bierzelt, erzählen, wie gut sie sind, was sie alles schon gemacht haben und was sie demnächst noch machen. Nächste Woche stehen dieselben Leute auf der nächsten Veranstaltung und erzählen dasselbe. Dazwischen: „Ja freilich, kein Problem, das mach ich dir.“ Und dann passiert – nix.

Der Tag hat auch für den Lautesten nur 24 Stunden

Und da darf ich schon auch mal an die Unternehmer selber appellieren: Denkt bitte ein bisschen mit. Rechne dir das doch einfach einmal durch.

Acht Stunden schläft er. Acht Stunden ist er bei der Familie – gehört sich auch so. Und acht Stunden ist er unterwegs: Verein, Zelt, Stammtisch, Netzwerktreffen, Ehrenamt, überall dabei, überall am Reden. Ja, wann soll denn der bitte in der Firma sein und deine Sachen erledigen? Und zwar nicht irgendwie, sondern professionell und auf einem Niveau, für das du gutes Geld zahlst.

Das kann nicht funktionieren. Das ist keine Bosheit von mir, das ist einfach Mathematik.

Wer gut reden kann, kann noch lang nicht gut arbeiten

Der zweite Denkfehler ist noch teurer. Da steht einer beim Verein am Rednerpult, bringt die Leute zum Lachen, hat die richtigen Worte parat – und im Kopf von dreißig Zuhörern entsteht in dem Moment: „Ui, der ist gut. Den nehm ich.“

Da muss man halt einmal kurz den Kopf einschalten. Der kann reden. Sonst weißt du erst mal gar nichts über ihn. Ob er auch liefert, ob er sauber arbeitet, ob er Termine hält, ob er dir in vier Wochen noch ans Telefon geht – davon hast du am Rednerpult kein einziges Anzeichen gesehen. Reden ist eine eigene Begabung. Sie sagt dir nichts darüber, was hinterher aus der Werkstatt, aus dem Büro oder aus der Agentur rauskommt.

Woran du den erkennst, der liefert

Das ist gar nicht so schwer, wenn du auf die richtigen Sachen schaust:

  • Er redet über deine Sache, nicht über sich. Wer im ersten Gespräch mehr fragt als erzählt, hat schon mal verstanden, worum es geht.
  • Er sagt dir, was nicht geht. Wer auf alles „kein Problem“ sagt, hat entweder nicht zugehört oder nicht vor, es zu machen.
  • Es gibt was Schriftliches. Was ausgemacht ist, steht danach in einer Mail oder in einem Angebot. Nicht als Misstrauen – damit beide dasselbe im Kopf haben.
  • Er meldet sich von selber. Auch wenn’s mal länger dauert. Wer erst antwortet, wenn du dreimal nachhakst, wird nicht besser, wenn’s stressig wird.
  • Du kannst dir was anschauen. Fertige Arbeiten, laufende Kunden, echte Ergebnisse. Nicht Erzählungen davon.

Was ich dir rate

Geh heute ins Zelt. Red mit den Leuten, das gehört dazu, und da entstehen die besten Sachen. Aber nimm aus dem Zelt kein fertiges Ja mit, sondern einen Termin. Einen richtigen, mit Datum, in der Firma, nüchtern.

Wer dann kommt, mit dem macht man was aus. Wer dann keine Zeit hat, weil schon das nächste Zelt wartet, der hätte auch dein Projekt nicht gemacht.

Servus – und einen schönen letzten Gillamoostag.

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